31. Kapitel des Au-Tors

Ashaan blickte von einem zum anderen.
„Angesichts der fortgeschrittenen Stunde, denke ich, dass wir in der Nähe unser Nachtlager aufschlagen sollten.“
Die anderen drei nickten zustimmend.
„Ich kenne einen geeigneten Platz“, meinte Kineret. „Ich hatte ihn unlängst entdeckt.“
Wie sollte es auch anders sein, als weltbeste Finderin von Dingen und Personen, kannte sie selbstverständlich die besten Stellen, um ein Lager zu errichten. So führte sie ihre Gruppe vom Königsweg fort, da der Platz etwas abseits der Straße lag. An einer Böschung befand sich der Eingang zu einer trockenen Höhle. Etwas abseits plätscherte ein Bach, dass sie sogar frisches Wasser hatten. Schnell war Feuerholz zusammengeklaubt und alsbald brannte ein lustiges Feuerlein.
„Erinnert ihr euch noch? Das Feuer am Gletscher?“ Fragte Thorn zwischen zwei genüsslichen Bissen.
„Natürlich“, bestätigte Kineret.
„Das wird das beste Abenteuer von allen“, freute sich Shiro. „Und alles ohne Schnee.“
Thorn nickte zustimmend und schob Kineret einen Bissen in den Mund. Mit gespitzten Lippen leckte sie auch den letzten Krümel von seinen Fingern. Sie lachten. Shiro schaute etwas verwirrt zwischen beiden hin und her. Dieses Verhalten hatte er vorher noch nie bei ihnen bemerkt.
Nur Ashaan schwieg, bis jetzt ging ihm alles zu glatt. Abenteuer waren mitunter unverhofft und eigenwillig, dass man oft nicht wusste, was der nächste Tag brachte. Doch wollte er seinen Kameraden wegen seiner dunklen Vorahnungen nicht die Freude nehmen. Außerdem schien Thorn noch mehr Gefallen an Kineret gefunden zu haben, denn nun fütterte er sie mit Naschwerk. Wer konnte ahnen, wohin das mit den beiden noch führte.

127. Lichterketten und Sterne

Wenn es denn bald wieder weihnachtet und nicht nur in den Supermärkten das so geliebte Backwerk ausliegt, dass wir uns anfangs noch genüsslich schmecken ließen, sondern auch all überall die lieblichen und festlichen Lichter erstrahlen, begeben sich auch unsere Nachbarn ans Werk, um ihr Domizil zu verzieren. Da der Sommer warm und der Herbst bis jetzt noch nicht kühl war, blühen die Geranien am Balkon gegenüber in einer wunderbaren roten Pracht. Eine jede Gärtnerin hätte daran ihre wahre Freude, so auch unserer Nachbarin, denn sie fand es zu schade oder auch zu bedauerlich, die lieblichen und üppigen Blüten, nur weil es dem Kalender nach an der Zeit wäre, aus den Balkonkästen zu entfernen und dem Müll zu verantworten.
So beobachtete ich sie am Samstag vor Totensonntag alternativ auch Christkönig, wie sie liebevoll einige Tannenzweige zu den Geranien steckte. Dann platzierte sie auch rote Kugeln auf Stecken daneben, um hernach zum Abschluss noch rote samtige Schleifen anzubringen. Die roten Geranienblüten harmonieren gar prächtig mit den Kugeln und Schleifen.
Als wir nun heute am heiligen Sonntag unseren wohlverdienten Morgenkaffee im Sommerwohnzimmer genossen, konnten wir den Ehemann der bereits erwähnten Nachbarin von gegenüber beobachten, wie er sich geschäftig an den Blumenrappen zu schaffen machte. Liebevoll legte er Lichternetze über die zarten Blüten und drapierte weitere Lämpchen an den Tannenzweigen. Da die Leuchtkörper, wohl dem leichteren Erkennen geschuldet, leuchteten, wie es ehedem ihrer Natur entsprach, konnten wir die glitzernde Pracht mit Leichtigkeit begutachten. Kurz darauf kam seine holde Gattin hinzu, die ihn für sein Werk freudig lobte.
Diese Dekoration ist wahrlich auffällig unauffällig. Wohingegen die Nachbarn drei Häuser weiter eine bunt blinkende Discobeleuchtung ans Haus angebracht haben, das ich jeden Moment darauf warte, dass die dazu passende Musik erschallt.

30. Kapitel des Au-Tors

Ich bin eindeutig zu unvorsichtig gewesen. Wie konnte es nur passieren, dass Ben und der Autor, also meine Figuren, es nur bemerken konnten, dass ich sie schrieb. Ich meine, dass sie geschrieben werden. Oder sollte es doch ausgedacht heißen? Ach, was weiß ich. Es spuken mir so viel Ideen im Kopf herum, was diesen zwei und zusätzlich natürlich der berühmten Vierergruppe alles widerfahren könnte.
Selbstverständlich tausche ich mich über meine Projekte mit anderen Autoren aus, so dass ich auch noch Denkanstöße quasi von außerhalb erfahre oder doch besser erhalte? Eine Idee war, dass die zwei tatsächlich ein Teil des Abenteuers werden. Aber dieser Gedanke erschien mir wie schon einmal benutzt. Obwohl, Harry Potter wurde ja auch in eine Erinnerung, die in einem Tagebuch eingebettet war, gezogen, damit er sie leibhaftig erleben konnte.
Aber weiter. Mal schauen, was aus Thorn und Kineret wird. Sie ist schon eine wirklich heiße Schnecke und Thorn bekommt dann regelmäßig Stielaugen, vermutlich auch noch etwas anderes, wenn ihr mich richtig versteht. Bis jetzt habe ich das Buch ja als jugendfrei, also 12+, geflaggt, wenn die zwei denn ein Kröschen hätten, müsste ich die Altersstufe natürlich heraufsetzen. Was meint ihr, sollte 16+ ausreichen? Bis jetzt ist es ja reichlich harmlos, aber ich könnte es selbstverfreilich ändern. Alles nach dem Motto, Sex sells. Oder auch Sex und Crime, das geht immer.

3 x 3 Nachbarn

Wertschätzung – Verbindung – Flasche

Spinnennetz, Radierer, Traumfänger

Ob man oder auch frau sich um die Wertschätzung der Nachbarn schert, hängt ganz davon ab, wo sich denn das heimische Domizil befindet. So kann sich eine Nachbarschaft in einem Dorfe schon recht schwierig gestalten. Vor allem wenn man eine Verbindung in Form einer Ehe, welche gar dorfübergreifend wäre, eingeht. Selbst, wenn diese bereits solange währt, dass man sie eine Güldene oder gar Eherne nennen könnte, ist und bleibt man oder eben auch frau immer noch zugereist. Die Kinder, selbstverständlich die eigenen, sind von Geburt an Mitglieder der dörflichen Gemeinschaft, weil es eben nur durch Geburt geschehen kann. Aber es gibt nicht nur Einheimische und Zugereiste, es gibt auch diverse Abstufung in der Nachbarschaft. Selbstredend ist derjenige, der direkt auf dem Grundstück nebenan wohnt, ein Nachbar. Dann gibt es auch noch den Notnachbarn, der mitnichten nebenan lebt, der aber bestimmt wird und dann durch seine Rolle vergleichbar einem Paten wäre. So wurde von meinen Eltern aus Spaß behauptet, sie wären Notnachbarn von Willy Brandt, als er damals in diesen kleinen Ort am Rhein zog.
Wenn du aber in einem Haus einer Genossenschaft wohnst, ja dann gib Obacht. Deine direkte Flurnachbarin, also jene Person, die sich mit dir die Flurwoche teilt, passt penibel auf, ob du deiner vertraglichen Verpflichtung auch gründlichst nachkommst. Sie kennt wahrscheinlich jedes Spinnennetz, welches sie vermutlich auch akribisch kartographiert, damit diese sich nicht in stimmungsvolle Traumfänger verwandeln können, und die darin wohnende Spinne persönlich. Da nutzt es auch gar nichts, wenn man zur Besänftigung ihr bei Zeiten eine Flasche besten Rebensaftes oder gar Hopfentrunkes anreichte. Sie wird einem jegliche Verfehlung ankreiden oder schlimmer noch ankreuzen, dass kein Radierer der Welt dieses auszumerzen vermag.

29. Kapitel des Au-Tors

Ben klingelte erneut. Verdammt, warum öffnete sein Kumpel nicht. In den letzten Tagen war es doch gut bei seiner Geschichte gelaufen. Er drückte erneut den Klingelknopf. Aber eine Reaktion blieb aus. Also noch einmal das Handy. Schnell war die Nummer ausgewählt. Es klingelte am anderen Ende. Doch sein Freund nahm das Gespräch nicht an. Zum wiederholten Male verfluchte er sich dafür, dass er nicht darauf bestanden hatte, einen Schlüssel zu erhalten. Nur so zur Vorsicht. Langsam wurde ihm kalt. Auch wenn es tagsüber noch recht warm war. Na ja, nur wenn die Sonne schien. Aber nun blies ein kräftiger kalter Wind und trieb die bunten Blätter vor sich her. Ihm fröstelte wieder. Ob einer der Nachbarn einen Schlüssel hatte? Vielleicht die alte Frau Schmitz, die auf der gleichen Etage wohnte. Ehe es sich Ben anders überlegen konnte, schellte er bei ihr an. Und wirklich, nach kurzer Zeit hörte er den Türsummer. Flink ging er die Treppe hinauf. Die alte Dame wartete in der Tür.
„Guten Morgen, Frau Schmitz“, grüße er sie.
„Guten Morgen. Ben? Nicht wahr?“ Erwiderte sie seinen Gruß.
„Ja, genau. Ich hätte eine ungewöhnliche Bitte. Haben Sie einen Schlüssel für mich?“ Er blickte sie fragend an.
„Oh? Macht er nicht auf?“ Sie schaute zur Tür, als wenn sich diese dadurch auf magische Weise von selbst öffnete, oder aber den Grund ihres Verschlossenseins offenbarte.
„Moment, ich hole ihn eben“, sagte sie jedoch dann.
„Danke, das ist nett von Ihnen“, bedankte sich Ben schon im Voraus.
Kurz darauf kam sie zurück und drückte Ben einen Schlüssel in die Hand.
„Am besten behalten Sie ihn. Sie kümmern sich doch so lieb um unseren armen Poeten.“ Frau Schmitz zwinkerte Ben zu, ehe sie die Tür schloss. Sie war wirklich eine nette alte Dame und auch so gar nicht neugierig. Hoffentlich zog sie keine falschen Schlüsse aus seinem Sich-Kümmern. Beherzt öffnete er die Wohnungstür. Stille umfing ihn.
„Guten Morgen“, rief er.
Er lauschte, doch niemand antwortete. Zuerst ging er ins Schlafzimmer, gleichwohl war das Bett zwar zerwühlt aber leer. Dann führte ihn sein Weg ins Wohnzimmer. Auf dem Sofa waren Kissen und Decken, die die Vermutung nahelegten, dass dort jemand genächtigt hätte. Aber wo war der Schläfer nur abgeblieben? Vielleicht war sein Kumpel schon zum Bäcker unterwegs und hatte lediglich sein Handy vergessen. Ja, so musste es sein. So ging Ben in die Küche, um erst einmal einen Tee für sie beide zuzubereiten. Danach deckte er den Tisch im Wohnzimmer für ihr gemeinsames Frühstück.
Wie zufällig fiel Bens Blick auf den Computer. Warum war das Gerät schon eingeschaltet? Hatte sein Kumpel etwa bereits etwas geschrieben, alles nach dem Motto: Der frühe Vogel fängt den Wurm? Obwohl er ja eigentlich eher zu der Sorte, ich war am frühen Morgen da, aber es gab keinen Wurm, gehörte. Na ja, auf dem Bildschirm war tatsächlich ein Text. Ben widerstand erfolgreich dem Impuls diesen zu lesen, da er schon immer erst die Erlaubnis seines Freundes abgewartet hatte. Als er sich gerade abwenden wollte, bemerkte er es wieder im Augenwinkel. Der Cursor sprang. Buchstaben erschienen wie von Geisterhand. Sollte er doch einen Blick wagen? Der Text schrieb sich ja von selbst, dann könnte er doch ohne Zustimmung einen winzigen Blick riskieren.
Ein Geräusch, als wenn sich ein Schlüssel im Schloss drehte, brachte ihn wieder zur Besinnung. Nein, er wollte erst dann lesen, wenn man es ihm hochoffiziell zugestand. Erwartungsvoll blickte er Richtung Tür. Tüten raschelten. Schuhe wurden polternd in die Ecke gepfeffert und ein Schlüssel klirrte in der Schale auf der kleinen Kommode im Flürchen.
„Moin“, grüßte Ben seinen Freund, der vor Schreck beinahe alles hätte fallen lassen.
„Frau Schmitz gab mir den Schlüssel.“ Erklärte er dem sprachlosen Autor seine Anwesenheit.
„Oh ja. Gut. Du hast schon Tee gekocht“, brachte er endlich hervor.
„Ja und Tisch gedeckt“, vervollständigte Ben.
„Natürlich“, der Autor wirkte immer noch zerstreuter, als durch den Schrecken zu erwarten wäre.
„Ist was?“ Fragte Ben besorgt.
Erschöpft ließ der Autor sich auf das Sofa fallen und sackte zusammen.
„Ja, ne. Ach, ich weiß nicht. Ich hatte ne schreckliche Nacht.“ Kam er langsam mit der Sprache heraus.
„Irgendwas hier ist total seltsam“, er deutete auf seinen Rechner. „Die Geschichte, die sich selbst schreibt. Das unbestimmte Gefühl nicht allein zu sein. Dann die äußerst lebhaften Träume. Oder werde ich nur langsam verrückt?“
Ben verstand seinen Kumpel nur zu gut. Es war wirklich seltsam. Aber verrückt? Er sah das am Computer ja auch. Es musste eine andere Erklärung dafür geben.
„Lass uns erst einmal frühstücken, dann sehen wir weiter“, machte er den überaus praktischen Vorschlag.

126. Bier brauen

Corona ist wirklich für einiges gut, denn man hat plötzlich so viel Zeit, da die Arbeit nicht mehr stört. So hat mein Nachbar für sich das Bier brauen entdeckt. Anfänglich war es nur ein großer Spaß am Rande gewesen. Aber nun artet es aus, dass er, wie es sich für einen getreuen Bürger gehörte, es sogar beim Zoll anmeldete, wie viel er denn schon produziert hätte. Im Sommer war ich ja bereits einmal zur Bierprobe geladen und nun stand er vor unserer Tür mit 5 Flaschen seiner Braukunst.
Zum Glück war der Novemberabend warm, so komplementierten wir ihn in unser Sommerwohnzimmer. Während er so in der Lounge saß, referierte er über das Bier brauen im Speziellen und seine Sorten im Besonderen. Er ist zwar nicht unbedingt eloquent, hört sich aber dennoch gerne selber und auch viel reden oder auch schwadronieren. Während er das Bier nicht ganz so gleichmäßig auf die dargebotenen Gläser verteilte, erklärte er wortgewaltig die Sorten und wie diese sich unterschieden. Er kam mir fast wie ein Sommelier vor, wie er die Würze des Bieres mit seiner leichten Note nach Kakao und dem fruchtigen Abgang lobte. Vielleicht bin ich an dieser Stelle keine Genießerin, Bier schmeckt oder schmeckt eben nicht. Was interessiert mich der fruchtige Abgang? Darauf picke ich doch noch mal eine Traube.
Nun denn, als er die dritte Flasche öffnete, war ich froh, dass wir in der Lounge saßen. Er hatte auch eines der berühmten Champagnerbiere gebraut. Also so ein Bier mit überschäumenden Charakter. Es war fast so wie beim Anstich am Oktoberfest in München, wenn es der Bürgermeister nicht kann und die hälfte des edlen Gerstensaftes sich spritzend in alle Richtungen ergießt. So wurde auch unserem Balkon eine Hopfentaufe zu Teil. Was soll ich sagen, irgendwann verabschiedete ich mich zur Nacht in der irrigen Hoffnung, dass er dies zum Anlass nähme nach Hause zu gehen.
Am nächsten Morgen erfuhr ich von meiner Mitbewohnerin, dass die Androhung von polizeilichen Maßnahmen dafür sorgte, dass er sein eheliches Bett aufsuchte, statt unsere gemütliche Gästecouch zu nutzen.

125. Der Nachbar

Auch wenn man in Großstädten den Nachbarn, wie man ihn im Dorfe kennt, abgeschafft hat, habe ich dennoch einen solchen, also einen Nachbarn. Er wohnt schräg gegenüber. Er ist, wie soll ich sagen, ein wenig speziell, sonst wäre er ja auch keine Geschichte wert. Wenn er nicht zufällig mein Nachbar von gegenüber wäre, bevölkerte er lediglich das Heer der Exkollegen. Dieser unsäglichen Personalunion habe ich es zu verdanken, dass er sich das eine oder andere Mal zu einem mitgebrachten Bier einlädt. Was waren meine Mitbewohnerin und ich froh, dass uns Corona und der Lock-down ereilte. Wir glaubten uns von ihm in Ruhe gelassen. Das Wort glauben schildert die Situation richtig. Er wollte sich dennoch zum Bier einladen. So stand er komplett ausgerüstet mit drei Flaschen Bier und einem Coronameter vor unserem Haus. Für alle die unter euch, die dieses Coronameter nicht kennen, sei es kurz beschrieben. Es ist ein Stab von 1,50 Meter Länge, da die Regierung in ihrer Weisheit und Güte, dies als unbedenklichen Abstand deklariert hatte.
So lag also besagtes Coronameter zwischen uns und der Nachbar trank sein Bier. Mir behagte es nicht, eine Flasche Bier auf der Hauptstraße stehend an den Hals zu setzen, worauf ich ihn unverrichteter Dinge stehen ließ. Da meine Mitbewohnerin noch eben eine rauchte, blieb sie eine Zigarettenlänge bei ihm stehen. Das hätte sie vielleicht nicht tun sollen, denn unser direkter Wohnungsnachbar, also dem Paul sein Vatta, sprach die beiden an und äußerte vehement die Bitte, na ja eigentlich war es eher ein Befehl, dass dieses Gelage gefälligst vor der Tür anderer Leute stattzufinden hätte.
Tatsächlich versuchte unser Nachbar, mit Coronameter und Bier bewehrt, uns zu einem Stelldichein vor seiner Türe zu bewegen. Einer Bitte, der wir mit Freuden nicht nachkamen. Und das trotz Coronameter.

28. Kapitel des Au-Tors

Es war schon gegen Abend und die Betriebsamkeit auf dem Königsweg nahm merklich ab, als ein junger Mann, fast noch ein Knabe auf einem Pony herangeritten kam. Er war schon fast auf Höhe der Wartenden, als Kineret aufblickte. Kurz blitze Erkennen in ihren Augen auf.
„Herr Magier, die von euch gesuchte Person“, sie zeigte auf den Reiter, der kein anderer war, als unser Novize des Crom, Shiro.

*****

Der geneigte Leser und auch die geneigte Leserin haben Shiro natürlich sofort erkannt, aber woher Kineret es wusste, wird auf immer ihr Geheimnis bleiben. Oder das des Au-Tors. Oder doch des Autors? Jedenfalls, das Schicksal führte sie zusammen, dass das Abenteuer nun endlich beginnen kann.

*****

Ashaan sprang auf und trat auf den Reiter zu. In der Hand hatte er wieder dieses Amulett, welches er vor Shiro hielt und murmelte erneut die Beschwörungsformel. Alsbald leuchtete das magische Artefakt auf. Ashaan war sichtlich zufrieden.
„Willkommen. Schön, dass du endlich da bist.“ Sprach er den Novizen des Crom an.
„Oh, ich wusste gar nicht, dass ich erwartet werde“, erwiderte dieser mit unverhohlener Neugierde gepaart mit Ahnungslosigkeit.
„Erkennst du uns denn nicht?“ Fragte Ashaan nun.
„Das letzte Mal, saßen wir am Feuer in der Nähe eines Gletschers“, mischte sich Thorn ins Gespräch ein.
„Oh“, entwich es dem Ankömmling entzückt. „Erster, Zweiter und – Er machte eine etwas zu gedehnte Pause. – Und Dritter?“
„Ja, wir sind es“, bestätigte Ashaan.
„Auch, wenn ich denke, dass Dritter etwas wichtiges an seiner Person vergessen hatte zu modifizieren.“
Er blickte kurz zwischen dem Kämpfer und der Diebin hin und her, ehe er fortfuhr: „Aber Thorn gefällt, was er da sieht.“
Natürlich wechselte Thorn an dieser Stelle die Gesichtsfarbe, von normal nach blass zu Puterrot. Irgendwie machte es ihn liebenswert, dass er dann doch nicht der eiskalte Soldat war, für den er sich gerne ausgab. Auch die Diebin blieb nicht unbeeindruckt von den Ausführungen des Magiers. Wieder hatte sie das unbestimmte Gefühl, etwas vergessen zu haben. Sie blickte an sich herab. Oh ja, das war es. Es war eindeutig mehr Landmasse nördlich des Äquators denn südlich davon. Nun glich sich die Reaktion ihrer Gesichtshaut derer Thorns frappierend an. Nur Ashaan und Shiro ahnten, dass sich die zwei alles gewünscht hatten, außer natürlich die nötige Portion Grips und Gehirnschmalz.

27. Kapitel des Au-Tors

Ein lauter Schrei hatte ihn geweckt. Müde versuchte er, seine Gedanken zu sortieren. Was konnte es nur gewesen sein? Ein Tier? Aber dann schalt er sich, welches Tier sollte schon in seiner Wohnung, besser noch in seinem Schlafzimmer derart schreien. Träge rollte er sich auf die Seite und tastete nach der Nachtlampe. Endlich fand er sie. Zum Glück riss er sie nicht herunter, wie es sonst in den schlechten oder auch weniger schlechten Geschichten passierte. Er empfand es nur als billige Effekthascherei. So etwas wollte und brauchte er nicht. Als er das Licht anknipste, war es dennoch zu grell, dass er die Augen feste zusammenkniff. Fahrig strich er sich durch Haar. Argh. Nass. Da bemerkte er es. Er war komplett durch geschwitzt, quasi in Schweiß gebadet. Er musste kichern, da schon zu Schulzeiten über den Rechtschreibfehler „in Scheiß gebadet“ herzhaft gelacht wurde. Sein Schlafshirt klebte klamm an seinem Körper. Nein so konnte er nicht weiter schlafen. Eine Dusche und danach ein frisches Hemd wäre angebracht. Ein Blick auf sein Bett bestätigte ihm, dass er hernach auch das Bett beziehen müsste.
Als er ausgiebig geduscht war, nahm er ein frisches Hemd aus dem Schrank, griff nach einer Decke und warf sich im Wohnzimmer auf das gemütliche Sofa. Kaum hatte sein Körper Verbindung zum weichen Sitzmöbel aufgenommen, tat es das, was Sofas immer schon so gerne machten, sie verschmolzen mit dem Benutzenden zu einer untrennbaren schlafenden Einheit.

3 x 3 Todsünde

Träne – Fell – Lasche

Spiel, zählen, Missgunst

Das mit der Missgunst ist so eine delikate Sache. Sie fällt einem nicht ohne weiteres zu, denn man muss sie sich schon hart erkämpfen und schwer verdienen. Auch wenn sie natürlich zu den sieben Todsünden zählt, überfällt sie dennoch unsere Mitmenschen, die sich davon, also von den Todsünden, so überhaupt nicht beeindrucken lassen. Es drängt sich ja fast die Überzeugung auf, dass sie es für ein Spiel hielten, zwar ein recht garstiges, aber wer es zu spielen weiß, der kann einem Unbedarften durchaus das berühmte Fell über die nicht minder bedachten Ohren ziehen. Den armen Opfern wird höchst selten auch nur eine Träne nachgeweint, selbst wenn sie sich um die ihnen zustehende Trauer redlich bemühten. Es wäre halt so, als ob sie eine Lasche oder eben alternativ eine deftige Schelle erhielten, dass nur so die Schwarte krachte.

Erstelle deine Website auf WordPress.com
Jetzt starten
%d Bloggern gefällt das: